Susanne Lenz
29.10.2024 | 14:57 Uhr
Sie sind noch da, die sieben Buchstaben, die 2005 als temporäres Kunstwerk auf dem Palast der Republik standen und nachts weithin leuchteten: ZWEIFEL. In Großbuchstaben. Irgendwo in Tempelhof lagern sie seit nun bald 20 Jahren. Das erzählt der norwegische Künstler Lars Ramberg, der am Montagabend in sein Atelier im Bezirk Mitte, an der Grenze zu Kreuzberg, eingeladen hat. Man könnte auch sagen: Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Der Palast ist weg, aber der Zweifel ist noch da“, sagt er.
Durch die Initiative Schlossaneignung ist neue Bewegung in die fortwährende Debatte um das wiederaufgebaute Stadtschloss gekommen. Hinter ihr steht zusammen mit anderen der Architekt Philipp Oswalt, der sein Unbehagen über diesen „Symbolbau aus vordemokratischer Zeit“, wie er das Gebäude mit der Schlossfassade nennt, immer wieder artikuliert und auf dessen Attraktivität für Geldgeber aus dem rechten Milieu er hingewiesen hat.
Bei der Initiative, an der sich Künstler aus 16 Ländern mit 153 Ideen beteiligt haben, hat Ramberg nicht mitgemacht, aber er nutzt wohl die Aufmerksamkeit, die nun erneut auf dem Gebäude liegt, für seinen Vorstoß. Eine Petition, die bis zum 7. November 2024 mitgezeichnet werden kann, soll den Bund zu Veränderungen am Gebäude bewegen. Auch Philipp Oswalt ist am Montagabend da.
Ramberg möchte seine sieben Buchstaben zurückbringen, hat Visualisierungen vorbereitet, die den Schriftzug auf verschiedenen Seiten der Fassade präsentieren. Die dem Lustgarten zugewandte Seite wäre ihm am liebsten. Er sieht die Buchstaben auf Sandsteinsäulen ruhen, sie wirken riesig mit ihren 40 x 8 Metern.
Ein Zuhause für den Zweifel
Ramberg hat auch Anstecknadeln mit der Aufschrift „Zweifel“ vorbereitet, die man zur Unterstützung des Projekts tragen möge. Er möchte den Schlossplatz umbenennen. Wenn es nach ihm geht, soll er künftig „Platz des Zweifels“ heißen. Ein entsprechendes Straßenschild hat er ebenfalls parat. „Das würde die Wahrnehmung des Schlosses komplett ändern“, sagt Ramberg. Stromrechnungen an das Humboldt-Forum würden an diese Adresse gehen. Tatsächlich, das ist eine schöne Vorstellung.
Je länger man Ramberg zuhört, desto mehr wünscht man sich seinen ZWEIFEL zurück. „Wenn man nicht zweifeln darf, ist man entweder in China, Russland oder Saudi-Arabien“, sagt er. Zweifeln als Demokratiebeweis. Und welche Stadt wäre eher dafür geeignet, dem Zweifel ein Zuhause zu geben, als Berlin.
Quelle: Berliner Zeitung